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Aktuelles

Familien in Zeiten von Corona

Monatliche Impulse der Ev. Erziehungs- und Lebensberatungsstelle

April: Miteinander Reden

Der zweite Lockdown bringt viele Familien an ihre Grenzen. Erste Studien dazu zeigen, dass die Lebensqualität und die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen sich in Deutschland im Verlauf der Corona-Pandemie weiter verschlechtert hat. Fast jedes dritte Kind leidet ein knappes Jahr nach Beginn der Pandemie unter psychischen Auffälligkeiten. Sorgen und Ängste, depressive Symptome und psychosomatische Beschwerden haben zugenommen. Das sind die Ergebnisse der zweiten Befragung der sogenannten COPSY-Studie (Corona und Psyche, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, UKE) durchgeführt. Ähnliches stellen wir auch in unserer Arbeit im Bereich der Familien- und Erziehungsberatung fest.

Kinder brauchen andere Kinder – Eltern können diese notwendigen Erfahrungen mit Gleichaltrigen trotz allen Bemühungen nicht ersetzen. Das Diakonische Werk in Niedersachsen (DWiN), dem auch unsere Beratungs­stelle angehört, fordert deshalb von den politischen Entscheidern unbedingt verlässliche Perspektiven für Eltern, um ihren Kindern soziale Kontakte mit Gleichaltrigen und Lernen in möglichst sicherer Umgebung zu ermöglichen.

Bis zum Beginn der Pandemie hat unsere Beratungsstelle neben den verschiedenen Beratungsangeboten durchschnittlich einmal monatlich eine Eltern-Info-Veranstaltung zu dem Themenbereich Familie und Erziehung veranstaltet. Da dieses zurzeit nicht sicher durchführbar wäre, haben wir verschiedene Alternativen entwickelt. Eine davon sollen die Impulse „Familien in Zeiten von Corona“ sein, die monatlich auf unserer Homepage unter www.diakonie-rotenburg.de erscheinen werden.

Den Auftakt macht der Impuls I „Miteinander Reden“ von unserem Berater Dipl.-Psych. Benjamin Haase

Impuls  "Miteinander Reden"

Lockdown, geschlossene Kitas und Schulen, veränderte Arbeitszeiten, geschlossene Läden, Kontaktbeschränkungen, … - das Leben hat sich in den letzten Monaten stark verändert. Diese Veränderungen erfordern von uns, dass wir uns in vielen Lebensbereichen um- und neuorganisieren.

Das erfordert wiederum viel Kommunikation. Vor allem Eltern haben viel zu managen. Und das in einer Situation, in der vielleicht ohnehin Stress, Anspannung und vielleicht auch mal Genervtheit da sind. Da kann so mancher Austausch schon mal schief gehen.

Was kann uns helfen, damit Kommunikation gelingt? Eine wichtige Grundlage für ein gelingendes Gespräch erscheint vielleicht auf den ersten Blick banal, aber dennoch wird sie häufig vernachlässigt. Für ein Gespräch – insbesondere für Gespräche als Paar - ist häufig sehr förderlich, wenn vorher festgelegt wird, wer Sprechende/r und wer Zuhörende/r ist, d.h. wer wem etwas mitteilen möchte.

Damit wird ermöglicht, dass wir uns ganz aufs Zuhören bzw. ganz aufs Sprechen konzentrieren können. Natürlich können die Rollen anschließend noch einmal getauscht werden, falls es umgekehrt auch etwas mitzuteilen gibt.

Beim Sprechen tut es dem Austausch gut, wenn wir folgende 5 Punkte beachten:

Fertigkeiten des Sprechens

1. Ich-Aussagen

Sprich von dir und deinen eigenen Gedanken und Gefühlen. Alle Aussagen werden dadurch persönlicher und ich bleibe erst einmal bei mir. Äußerungen, die nur auf andere gerichtet sind (Du-Sätze), werden häufig als Vorwurf verstanden und können damit Auslöser für Gegenangriffe oder Rechtfertigungen sein.

2. So konkret wie möglich

Sprich konkrete Situationen oder Anlässe an. Verallgemeinerungen (z. B. „immer“, „nie“) sollten dabei vermieden werden. Verallgemeinerungen rufen leicht sofortigen Widerspruch hervor und lenken vom eigentlichen Inhalt der konkreten Situation völlig ab. Versuche anschauliche Aussagen zu treffen.

3. Unterstellungen vermeiden

Sprich von konkretem Verhalten in bestimmten Situationen. Das macht deine Aussagen nachvollziehbarer und eine Bewertung der Gesprächspartnerin bzw. des Gesprächspartners wird dadurch vermieden. Unterstellungen negativer Eigenschaften (z. B. „typisch“,

„unfähig“, „langweilig“, „nie aktiv“) rufen Gegenwehr hervor. Trenne in dem was du mitteilst bewusst zwischen dem Verhalten, das du wahrnimmst, von den Gefühlen und Gedanken, die es bei dir auslöst.

4. Beim Thema bleiben

Achte darauf, nur auf solche Inhalte einzugehen, die für das betreffende Thema von Belang sind. Die vorgebrachten Punkte sollten dabei vor allem dazu dienen, deiner Partnerin bzw. deinem Partner klarer machen, was dein Anliegen ist. Sonst läuft das Gespräch Gefahr, völlig vom eigentlichen Thema abzukommen.

5. Sich öffnen

Öffne dich und beschreibe, was in dir vorgeht. Anklagen und Vorwürfe lassen sich am ehesten vermeiden, wenn du deine Gefühle und Bedürfnisse direkt äußerst. Auch können dadurch Äußerungen vermieden werden, die die Reaktionen des Partners vorwegnehmen („negatives Gedankenlesen“), z.B. „auf andere Art kann man ja nicht mit dir reden“ oder „ich würde was unternehmen, aber du machst ja doch nicht mit“. Der Sprecher sichert sich damit schon im Voraus gegen eine mögliche Reaktion ab und riskiert damit jedoch, dass es dadurch genauso eintritt („selbsterfüllende Prophezeiung“).

Beim Zuhören ist es hilfreich, folgende 5 Punkte zu berücksichtigen:

Fertigkeiten des Zuhörens

1. Aufnehmendes Zuhören

Zeige deiner Partnerin bzw. deinem Partner, dass du ihm zuhörst und Interesse an ihren bzw. seinen Äußerungen hast. Unterstützende Gesten wie Nicken oder kurze Einwürfe wie „hm“, „aha“ zeigen: „Ich höre dir zu.“. Wichtig ist neben dem Blickkontakt auch eine der Partnerin bzw. dem Partner zugewandte Körperhaltung. Aussagen wie: „Ich würde gern mehr darüber hören“ ermutigen, doch weiterzusprechen und stärken die Partnerin / den Partner in seinem Erzählen.

2. Zusammenfassen

Melde die wesentlichen Äußerungen deines Gegenübers möglichst in eigenen Worten zurück, um deutlich zu machen, dass du ihn verstanden hast. Diese Regel unterstützt beim Verstehen, deckt Missverständnisse auf und strukturiert das Gespräch.

3. Offene Fragen

Zum besseren Verständnis der Aussagen können offenen Fragen hilfreich sein, z. B. „Wie ging es dir dabei?“, „Woran hast du das gemerkt?“ – statt: „Aber das musst du doch gemerkt haben, oder?“. Offene Fragen ersparen unnötige Interpretationen, vermitteln Interesse und nötigen nicht zu Rechtfertigungen. Sie ermutigen, sich tiefer auf das gewählte Thema einzulassen.

4. Lob für das Gesprächsverhalten

Faires Gesprächsverhalten ist nicht selbstverständlich. Lobe für offene und verständliche Äußerungen. Reaktionen wie z.B.: „Ich verstehe es jetzt viel besser, weil du mir das so klar und offen gesagt hast“ ermutigen dazu, sich mitzuteilen und zu öffnen. Natürlich können auch die Sprecherin bzw. der Sprecher auch das gute Zuhören der Partnerin bzw. des Partners loben.

5. Rückmeldung des ausgelösten Gefühls

Nicht in jeder Situation möglich sein wird, mit Verständnis auf die Sprecherin bzw. den Sprecher zu reagieren, etwa weil einen deren bzw. dessen Äußerungen sehr aufgebracht haben. In diesem Fall sollten indirekte Aussagen vermieden werden (z. B.: „Aber das stimmt doch gar nicht!“). Stattdessen melde besser deine eigenen Gefühle direkt zurück (z.B.: „Ich bin völlig überrascht, dass du das so siehst.“).

Ebenso wichtig ist es, auch aufkommende positive Gefühle zurückzumelden (z.B.: „Mich freut es, dass du dies mit mir gemeinsam machen willst“).

Impuls März: Finanzielle Hilfe für Schwangere: Bundesstiftung Mutter und Kind

Im März gibt es einen zusätzlichen Info-Termin immer donnerstags bei unserer Schwangerenberatung

Eine Schwangerschaft bedeutet Veränderung, oft einhergehend mit Unsicherheit und ganz vielen Fragen.

In jedem Fall haben die Frauen und ihre Partner*innen ein Recht auf Hilfe und Unterstützung.

Die Schwangerenberatung ist ein Angebot des Diakonischen Werkes Rotenburg. Das Themenspektrum ist groß und unterschiedlich. In der sozialrechtlichen und finanziellen Beratung informieren wir werdende Mütter über staatliche Sozialleistungen.

Sollte es zu finanziellen Engpässen kommen, hilft Schwangeren die Bundesstiftung „Mutter und Kind“. Die Bundesstiftung „Mutter und Kind“ wurde 1984 errichtet, mit dem Ziel schwangeren Frauen in Notlagen zu unterstützen. Das Grundgesetz verpflichtet den Staat, menschliches Leben zu schützen, auch das Ungeborene. Eine Entscheidung für ein Kind darf nicht an finanzieller Not scheitern. Durch die Stiftung wird jedes Jahr ca. 140.000 Schwangeren geholfen.

Die Voraussetzungen, in unserer Beratungsstelle einen Antrag zu stellen sind: 

  • Sie wohnen in Niedersachsen
  • Sie sind schwanger
  • Ihre Einkünfte unterschreiten festgelegte Brutto-Einkommensgrenzen

Die Stiftung hilft finanziell zum Beispiel bei der Anschaffung von Schwangerschaftsbekleidung, der Erstausstattung des Kindes, der ergänzenden Wohnungseinrichtung, der Hilfe für Renovierung oder Umzug.

Höhe und Dauer der Unterstützung richten sich nach den besonderen Umständen der persönlichen Notlage der werdenden Mutter, aber auch nach der Gesamtzahl der Antragstellerinnen.

Einen Rechtsanspruch auf finanzielle Hilfen der Bundesstiftung gibt es nicht. Die Zuschüsse der Bundesstiftung werden nicht auf andere Sozialleistungen angerechnet und dürfen bei der Berechnung solcher Leistungen nicht als Einkommen berücksichtigt werden. Sie dürfen auch nicht gepfändet werden. (Die Quelle: https://www.familienplanung.de/schwangerschaft/recht-und-finanzen/bundesstiftung-mutter-und-kind/)

Einen Mutter-Kind-Antrag zu stellen, ist oft zunächst der Anlass die Beratungsstelle aufzusuchen. Hieraus ergeben sich dann manchmal komplexere Themen und es finden mehrere Beratungen statt.

Eine Beraterin steht Ihnen im März zusätzlich an jedem Donnerstag in der Zeit von 10.00-11.00 Uhr für Fragen rund um die Schwangerschaft zur Verfügung. Tel.:04261-6303960

Zudem können Sie einen Gesprächstermin in den üblichen Bürozeiten: Montag bis  Freitag 9.00 Uhr-12.00 Uhr und 14.00-17.00 Uhr mit uns vereinbaren.

Beratung findet auch persönlich weiterhin mit Termin statt. Unsere offenen Angebote laufen nur als feste Gruppen oder werden mobil beliefert.

Aufgrund der Vorbeugung vor dem Corona-Virus hat die Ministerkonferenz mit der Bundesregierung weitergehende Maßnahmen bis Januar 2021 beschlossen.

Die  Beratung findet überall nur mit Termin und auch persönlich statt. Wir bieten aber auch die Möglichkeit der Video- und Telefonberatung an.

Der Frühstückstreff für Menschen mit seelischen Belastungen findet nur als feste Gruppe statt. Der offene Mittagstisch wird mobil an die Stammgäste ausgeliefert, die sich vorher dafür angemeldet haben.

Wir wünschen Ihnen viel Kraft und Gottes Segen. Wir alle können dazu beitragen, dass die Epidemie überwunden wird, indem wir die Kontaktbeschränkungen und Vorschriften einhalten.

Verkürzung des Insolvenzverfahrens auf drei Jahre

Schuldenberatung des Diakonischen Werkes des Ev.-luth. Kirchenkreises Rotenburg informiert und hilft weiter

Erleichterung für Verschuldete: Der Deutsche Bundestag setzt mit dem Gesetz zur weiteren Verkürzung des Restschuldbefreiungsverfahrens eine EU-Richtlinie um. Damit verkürzt sich die Laufzeit bis zu einer Restschuldbefreiung für Verbraucher, Selbstständige und Einzelunternehmer von sechs auf drei Jahre. Dies gilt rückwirkend für Insolvenzverfahren, die seit dem 01.10.2020 beantragt worden sind.

„Damit hätte ich gar nicht mehr gerechnet“, so Heiko Thömen von der Schuldenberatung des Diakonischen Werkes Rotenburg, der froh ist, dass nun endlich eine Entscheidung da ist. „In den letzten Monaten haben wir viele Schuldnerinnen und Schuldner immer wieder vertrösten müssen, da bis kurz vor Weihnachten nicht klar war, welche Änderungen im Insolvenzrecht nun beschlossen werden.“

Aber auch für schon beantragte Insolvenzverfahren nach dem 17.12.2019 verkürzt sich die Zeit bis zur Erteilung der Restschuldbefreiung geringfügig. Auch hierüber berät Schuldenberater Heiko Thömen gerne.

Heiko Thömen begrüßt außerdem, dass die bisherige Bescheinigungspflicht einmalig von sechs auf 12 Monate verlängert wird und bis zum 31.03.2021 die bisher gültigen Formulare weiterverwendet werden dürfen. „So ist eine schnelle und unkomplizierte Antragstellung möglich, bis die neuen Formulare vollständig in die EDV-Programme eingearbeitet sind.“

Persönliche Beratungstermine finden derzeit unter Einhaltung der Corona-Regeln statt.  Das Ausfüllen der Insolvenzanträge lässt sich aber auch per Telefon ermöglichen. „Ich schicke den vorbereiteten Antrag zu und gehen ihn Schritt für Schritt durch und bespreche die aufkommenden Fragen. Das klappt gut und viele Schuldnerinnen und Schuldner sind froh, wenn der Antrag nun endlich an das Insolvenzgericht gesandt werden kann.“

Die Gesetzesänderung hat auch ein paar kleine Nachteile für die Schuldnerinnen und Schuldner gebracht. Die Sperrzeit bis zu einem erneuten Insolvenzverfahren dauert nun 11 statt bisher 10 Jahre, und das 2. Verfahren dauert dann 5 statt 3 Jahre. Vermögen z. B. aus Gewinnspielen müssen zukünftig über die gesamten 3 Jahre abgeführt werden.

Thömen bedauert es, dass sich der Bundestag nicht darauf einigen konnten, die Eintragung „erteilte Restschuldbefreiung“ bei den Wirtschaftsauskunfteien von bisher 3 Jahren auf ein Jahr – wie im Referentenentwurf vorgeschlagen - zu reduzieren. Hierdurch wird der Neuanfang des Schuldners erschwert und weiter verzögert.  Besondere Probleme bereiten die Eintragungen bei den Auskunfteien wie z. B. der Schufa bei der Wohnungssuche.

Schuldenberater Heiko Thömen ist montags von 17.00 – 18.30 Uhr, sowie dienstags und donnerstags jeweils von 11.00 – 12.30 Uhr in den telefonischen Sprechzeiten unter 04261-6303956 zu erreichen - auch außerhalb dieser Zeiten, sofern nicht Beratungsgespräche geführt werden. Zur Abklärung eines Erstberatungsgesprächs ist der Anschluss 04261-6303957 in der Regel montags bis donnerstags von 9.00 bis 12.00 Uhr zu erreichen. Eine Kontaktaufnahme ist auch unter E-Mai-Adresse schuldenberatung.rotenburg@evlka.de möglich.